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Rheinischer Kulturjournalismus

Gerda Kaltwasser: Von Hoheiten und Stammtischen

Stadtmuseum: Fest zum 125jährigen Bestehen

Es herrschte Kaiserwetter zum Geburtstag des Stadtmuseums, das vor 125 Jahren entstand. Heute das älteste städtische Museum und zweitältestes historisches Museum im Rheinland, wurde es 1874, zu Beginn des wilhelminischen deutschen Kaiserreichs, in Düsseldorf gegründet. Damals begann der Kulturkampf zwischen evangelischen und katholischen Deutschländern. Keine Rede davon, als Dechant Werner Moonen nach dem lateinischen Hochamt in St. Maximilian im Namen von Museumschef Dr. Wieland Koenig zur Geburtstagsfeier ins Museum einlud. Es war so überfüllt, dass Koenig gleich den vierten Bauabschnitt anmahnte.

Streitlustiger Festvortrag

Oberbürgermeisterin Marlies Smeets hörte die Botschaft wohl, dachte aber an die leeren Kassen. Sie würdigte die Öffnung des einstigen Stadtgeschichtlichen Museums unter Dr. Koenig zur Gegenwart, zur streitbaren Auseinandersetzung. Die lieferte in seinem Festvortrag Professor Dr. Gerd Krumeich von der Heine-Universität. Er ironisierte die „nationale Kraftmeierei“ im Nach-Bismarck-Reich und machte ganz nebenbei deutlich, wie verknüpft mit Weltpolitik und Biertischpolitik schon das damalige Düsseldorf war. Da schlossen sich nämlich die Stammtische der Künstler und der Industriellen zu einem „Vereinigten Stammtisch“ beim Altbier zusammen.

Gar nicht stammtischmäßig, sondern stilgerecht mit „Hoheit“ begrüßte Dr. Werner Alberg, der die Festausstellung eingerichtet hatte, den Prinzen Georg Friedrich von Preußen, Chef des Hauses Hohenzollern. Schließlich geht das bürgerliche Stadtmuseum auf Anregungen und Stiftungen des Preußenprinzen Georg zurück, der 1826 im Schloß Jägerhof geboren wurde. Preußische Gegenwart wiederum verkörperte Professor Dr. Jochen Giersberg, Generaldirektor der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten. Ganz rheinisch hingegen Professor Helmut Hentrich, Ehrenbürger und Mäzen der Stadt. Oder auch ein anderer Ehrenbürger, er starb in dieser Woche, Dr. Konrad Henkel. Dessen Familie repräsentierte die Galeristin Hete Hünermann, Schwester von Gabriele Henkel.

Herren in dunklem Anzug, Damen mit mutigen Hütern begaben sich alsdann in den Garten, wo Schlössers Alt strömte, Teller mit Flönz lockten. Keiner ließ sich von den Kriegerdenkmälern stören, die Johannes Galert in Lothringen fotografiert hatte, Denkmäler aus einer Zeit, als die Wacht am Rhein brauste wie Donnerhall. Unter den Nazis wurde daraus im Stadtmuseum eine „Germanenschau“. Alles nur Geschichte? Aber man darf sie nicht vergessen.

Gerda Kaltwasser In: Rheinische Post. Düsseldorfer Stadtpost, 3. Mai 1999