Frauen-Kultur-Archiv

Rheinischer Kulturjournalismus

Gerda Kaltwasser: Wagner am Rhein


Theatermuseum: Ausstellung mit Musik

„Bayreuth am Niederrhein“ – dieser griffige Titel wird die Wagnerfreunde, wird die Opernfreunde insgesamt wohl in Scharen ins Theatermuseum am Hofgarten locken. Sie sollten sich nicht dadurch abschrecken lassen, dass diese Verlockung der Stadt das Geld für einen reich bebilderten Katalog nicht wert war. Der knappe Ausstellungsetat gibt so etwas nicht her. Zum Glück springt die Rheinoper mit ihrem farbigen Heft in die Bresche; darin finden sich auch das Begleitprogramm und andere wichtige Informationen.

„Bayreuth am Niederrhein“ – der Titel ist Programm. Schon am 18. Januar 1853 erlebten die Düsseldorfer ihren ersten Wagner im Stadttheater. „Der Tannhäuser“ wurde gegeben, damals noch im Theater am Marktplatz neben dem Rathaus. Denn das Stadttheater, das viele ältere Düsseldorfer noch in Erinnerung haben und das an der Stelle der heutigen Rheinoper stand, wurde erst 20 Jahre später gebaut. Damals, 1853, konnte der Opernfreund ein Textbuch zum Preis von drei Silbergroschen erstehen.

Glanzvolle Erinnerungen

Vom ersten Düsseldorfer Wagner gibt es nur noch einen Ankündigungszettel, von späteren Aufführungen sind ergiebigere Dokumente erhalten, Porträts von Sängerinnen und Sängern, von Bühnenbildern und Kostümen, Besetzungslisten, Zeitungskritiken. Und aus der Nachkriegszeit viele Kostüme, die wie auch viele Namen Erinnerungen wecken: Helmuth Fehn, Martha Mödl, Hans Hopf, Ilse Hollweg, René Kollo, Astrid Varnay. Sie alle und noch viele andere haben Rollen in Wagneropern in Düsseldorf und Duisburg am Rhein sowie in Bayreuth gesungen.

„Wabert Ihre Lohe noch?“

Dr. Winrich Meiszies, Leiter des Theatermuseums, ist begeistert von der Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper am Rhein. Versteht sich, dass die Ausstellung, die in Düsseldorf bis 21. Mai gezeigt wird, nach Duisburg weiterreist.Es lohnt sich, die Zeit für Vergleiche zu nehmen. Auffallend die Wandlungen der Ausstattung, des Bühnenbilds, selbst bei Inszenierungen, die bloß ein Jahrzehnt auseinander liegen.

Im Museum gibt es nicht nur etwas zu sehen, es gibt auch etwas zu hören: Ausschnitte aus Wagnerproduktionen der Rheinoper können im Vortragssaal in Ruhe genossen werden. Das Begleitprogramm macht unter anderem mit dem unbekannten Wagner bekannt und fragt kabarettistisch „Wabert Ihre Lohe noch?“ Heute um 19.30 Uhr ist Eröffnung.

Gerda Kaltwasser
In: Rheinische Post. Düsseldorfer Feuilleton, 14. April 2000